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Über

Ich bin Najano, ein Anglo Araber und möchte gerne hier meine Geschichte erzählen. Ich habe viel erlebt, bin sehr weise. Ich bin kein besonderes Sportpferd, obwohl ich das Zeug dazu hätte und ich aus einer Leistungszucht komme. Das Besondere bei meiner Besitzerin und mir ist, dass wir es geschafft haben wahre und echte Horsemanship umzusetzen. Sie ist ein wenig Pferd geworden und ich bin ein wenig Mensch geworden. So konnten wir uns in der Mitte treffen. Wie es dazu kam möchte ich gerne erzählen, denn es ist etwas sehr sehr seltenes....

Alter: 19
 


Mehr über mich...

Als ich noch jung war...:
war ich sehr sehr ängstlich, stuermisch und schnell gelangweilt. Ich liebte es 1,5 Stunden am Stueck zu galoppieren und war aus Langweile gerne sehr guckig, besondes auf dem Platz. Damit hatte ich meine Besitzerin an ihre Grenzen gebracht.

Wenn ich mal groß bin...:
werde ich ruhiger und weiser. Ich weiss mehr vom Leben als die meisten Pferde und Menschen. Ich weiss genau was ich will, ruhe in mir und fuehre meine Besitzerin zu den Dingen, die wirklich wichtig sind im Leben

Ich wünsche mir...:
dass ich nach meinem schweren Unfall wieder komplett genese und ich wieder meine alte Kraft wieder erlange. Ich habe noch viel vor und bin mit meinen 17 Jahren noch nicht so alt. Ich moechte noch vieles lernen und lange Ritte machen

Ich liebe...:
das Leben und meine Besitzerin sehr

Man erkennt mich an...:
dem Grashalm, der immer aus dem Maulwinkel haengt. Manche Menschen verwechseln mich mit Jolly Jumper.

Ich grüße...:
alle meine Pferdekumpels, denn ohne Euch waere es echt langweilig



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Blog

Ankunft im Reitstall Fuchs, Start meiner Ausbildung

Najano erzählt:

Die Vermittlerin riet Susanne mich sofort einzureiten, wenn ich mich noch nicht richtig eingelebt hatte, damit ich mich nicht wehren kann. Ich bin froh, dass Susanne nicht auf sie hörte. Allein die Fahrt in den neuen Stall war für mich sehr anstrengend und aufregend. Hinzu kam, dass ich meine Familie vermisste, weniger die Menschen, aber meine Mama sehr, denn ich teilte sogar mit ihr eine Box. Im neuen Stall musste ich allein in einer Box stehen und sogar ohne direkten Nachbarn. Auch musste ich die ersten zwei Wochen viel Zeit allein in der Box verbringen, da die anderen Pferde Tag und Nacht auf der Weide waren. Es ging, da immer tagsüber viele Pferde stundenweise im Hof waren.

Die Box war sehr groß und ich konnte in den Hof schauen. Die Fahrt zum neuen Stall war sehr lang, anstrengend und sehr beängstigend. Wir waren von der Rhön bis nach Köln gut 5 Stunden unterwegs. Patrick, der fuhr, fuhr lieber langsam und sorgfältig, damit mir nichts passiert. Die Pausen wurden sehr kurz gehalten, damit ich mich nicht aufregte. Der Hänger ging, er war nicht so schlimm wie andere Pferdehänger. Ich stand quer, was sehr bequem war. Trotzdem war ich den ganzen Weg total angespannt.


Endlich kamen wir an. Ich stand ganz aufgeregt auf der Rampe und schaute mir den neuen Stall an. Alle waren ganz neugierig auf mich. Susanne brachte mich erst mal in meine neue Box. Wie schon gesagt, musste ich die ersten Nächte alleine dort verbringen, was nicht einfach war. Doch ich durfte nicht sofort in die neue Herde, weil Gerd der Bauer gesehen hat, dass ich anders bin, als die anderen Pferde dort: „ Der ist anders als die anderen Pferde hier, der hat viel Blut und ist sehr sensibel, bitte erst mal nur auf die Nebenweide mit einem einzelnen anderen Pferd stellen!“. Wie Recht er behielt.


Am nächsten Morgen nahm mich Susanne zum ersten Ausflug aus der Box, um mir die Weiden und die anderen Pferde zu zeigen. Die Wiesen waren riesig, richtig groß. Und die Herde, die auf einer der Wiesen stand war auch riesig. Ich zählte 20 bis 25 Tiere. Ich war es bis jetzt ja erst gewohnt mit 3 Pferden, die auch meine Familie waren, die Zeit zu verbringen.


Ich war total aufgeregt und wollte mich bewegen und tippelte neben Susanne her. Die konnte mich auf dem geteerten Feldweg, der an den Weiden vorbei führte kaum bändigen. Ich wollte rennen und auch zu den anderen Pferden. Susanne war zwar sehr erfahren, was Pferde betraf, aber sie hatte für sich noch kein Konzept für mich erstellt, so handelte sie aus der Situation und dem Bauch heraus. Wir gingen auf den Reitplatz. Leider durfte ich auch dort nicht sofort rennen, sondern sie fing sogleich mit einem Führtraining an. Wenn sie stehen blieb musste ich auch stehen bleiben, auch durfte ich sie nicht überholen, sonst musste ich immer um sie herum laufen, was nervig war. Also beschloss ich hinter ihr zu bleiben und bis maximal auf ihre Höhe zu laufen. Ich lernte auf leichten Druck am Halfter rückwärts zu gehen. Das klappte alles nach ca. 20 Minuten sehr gut, so dass wir unseren Spaziergang noch mal wiederholten und das erlernte direkt in die Praxis umsetzten. Es machte mir viel Spaß mit Susanne zu arbeiten.


Susanne hatte eine Reitbeteiligung. Claudia hieß sie. Sie war sehr motiviert, ich mochte sie sehr. Allerdings hatte aber sehr komische Ideen. Sie wollte mir sogar ein Gebiss ins Maul legen, weil sie nicht klar kam. Zum Glück war Susanne strikt dagegen.


Die Mädels wollten nicht lange warten, so kam ich in den ersten Tagen gleich in die Herde. Neugierig lief ich zu ihnen hin, um sie kennen zu lernen. Ein paar Pferde fand ich total nett. Ich wählte meinen schönsten Trab, den ich so drauf hatte, um sie mit meiner Kindlichkeit zu beeindrucken. Doch irgendwie ist mir das nicht gut geglückt. Es gab Pferde, die waren gemein und bös zu mir. Sie rannten los und jagten mich. Ich hatte Angst und das Gefühl um mein Leben rennen zu müssen. Nach gut einer halben Stunden hörten sie zu Glück auf und ich graste friedlich neben den netten. Die Mädels aus dem Stall und Susanne gingen, denn sie fanden das alles gut geklappt hatte. Es wurde Dunkel und Abend. Alles war immer noch friedlich. Ein paar mal wurde ich gejagt, doch das war es. Plötzlich kam wieder diese Stutengang vom Anfang. Sie jagten mich, ich bekam große Angst. Sie trieben mich in eine Ecke, ich wusste nicht mehr was ich machen sollte. Die große Weide war zu klein, also rannte ich durch den Zaun Richtung Rhein. Die Pferde hinter mir her. Doch ich war schneller als die. Irgendwann beruhigte sich alles, die Stutengang hörte auf mich zu jagen. Ich fing an zu grasen. Am liebsten wäre ich abgehauen, doch wo sollte ich hin? Meine Familie war weit weit weg. Ich vermisste meine Mutter so... Also blieb ich in der Nähe dieser gemeinen Pferde. Eine gute Stunde verging, dann hörte ich Stimmen. Sie riefen, schimpften und fluchten. Eine ungeduldige Männerhand legte mir einen Strick um den Hals und brachte mich kurzer Hand alleine in mein Box. Das war schrecklich. Am nächsten Tag bekam Susanne viel Ärger. Die Bauern mussten uns nachts am Rhein einfangen. Gerd fluchte: „Ich hatte doch gesagt, der soll auf die Nachbarweide“.

So, genau so geschah es dann auch. Ich kam mit Argan, einen 22 Jahre alten Bosenakenpony-Traber Mix auf die Nachbarwiese auf die Weide. Anfangs 2 Stunden, dann 3, dann 5, dann den ganzen Tag. Die übrige Zeit musste ich in die Box. Nach zwei Wochen wurden mit immer mehr Pferde dazu gestellt. Argan beschützte mich und kümmerte sich um mich. Die anderen ließen mich in Frieden, so dass ich bald tagsüber in die Herde konnte. Nachts blieb ich in der Box. Ende Oktober waren dann alle Pferde nachts drinnen und wir kamen auf ein riesiges Paddock, was so groß war wie ein riesiges Feld. So verbrachte ich den ganzen Winter.


Susanne versuchte mir neben dem Führtraining nun auch das Longieren beizubringen, was nicht gut auf dem offenen Platz klappte, da ich kein Gleichgewicht im Trab auf dem Kreis halten konnte. Im Galopp war es noch schlimmer. Links ging, rechte Hand gar nicht. Auch war ich sehr panisch, wenn man mich mit Peitsche longierte, dann nahm ich sofort reis aus. Susanne beschloss das Longieren erst mal auf Eis zu legen, sich auf das Führtraining, auf die Spaziergangänge im Gelände sowie auf die Fohlenschule zu konzentrieren. Denn ich hatte große Angst vor Wasser und damit vor dem Abspritzen, vor Decken auf meinem Rücken, das Putzen kitzelte, Halfter anziehen war schrecklich man durfte auf keinen Fall meine Ohren berühren, kein Fliegenspray, nichts. Nur Hufe geben und Wurmkur geben war o.k. So gab es den Winter über genug zu tun, zumal ich noch so krank wurde, doch dazu später mehr....

31.12.14 17:54, kommentieren

wie ich aufwuchs

Najano erzählt: 13.06.97 bis Juli 2001: Wie ich aufwuchs....


Am 13.06.1997 erblickte ich das Licht der Welt. Ich war sehr süß, klein, frech und schüchtern. Und außerdem war ich schwarz mit einem schönen weißen Stern auf der Stirn, rechts vorne und hinten links mit einer weißen Fessel. Ich wuchs mit meiner Halbschwestern (die gleichzeitig meine Tante war), meiner Mama und meiner Oma auf. Vier lange Jahre lebte ich im Sommerhalbjahr so lange es ging Tag und Nacht draußen und im Winter in der Box. Diese Extreme mochte ich nicht gerne.

Sehr viel fand in meinem Leben nicht statt, ich lernte Hufe geben, ging ohne Halfter und Strick mit Mama ins Gelände und fühlte ich dort von Anfang an am wohlsten. Dunkle geschlossene Räume machten mir große Angst. Auch mochte ich es nicht gerne, wenn man mir ein Halfter anzog.

Mein Leben war unbeschwert. Meine Mama war oft sehr vorsichtig, denn sie hatte einen schweren Unfall mit bösen Verletzungen. Diese Vorsicht gab sie an mich weiter. Vorsicht, hm, nun ja, ich gebe es ungern zu, doch ich war als ich jung war extrem ängstlich. Meine Ängste gingen ins Hysterische und ich hatte mich oft überhaupt nicht unter Kontrolle. Doch noch heute liebe ich gleichmäßige Abläufe, wenn sich etwas ändert, bin ich schnell überfordert. Erst mit den Jahren schaffte ich es meine Ängste immer mehr abzustreifen. Das habe ich meiner sehr großen Neugierde, meinem unendlichen Vertrauen in Menschen und der Unterstützung von Susanne zu verdanken, doch über sie später mehr.

Sehr gut erinnere ich mich auch noch an meine Kastration. Als Hengst war ich sehr frech und selbstbewusst. Als ich anfing auf meine Mutter zu steigen wurde ich kastriert. Das war sehr traumatisch für mich. Ich wurde mit einem Pferdeanhänger in die Klinik gefahren. Hänger fahren ist mir seit dem verhasst. Die OP ist sehr gut verlaufen, doch ich fühlte mich danach nicht gut. Der Wundschmerz verheilte schnell, dass war nicht das Problem, doch ich hatte lange Jahre das Gefühl nicht mehr stark genug zu sein. Meine Ängste nahmen zu und ich entwickelte mich sehr spät, obwohl mein Fell immer heller wurde. Als ich schon fast weiß war gab es ein Unglück in der Menschenfamilie und mein Halbschwester und ich sollten verkauft werden.

Mir wurde in diesem Augenblick klar, dass wir Pferde nur Sklaven sind. Von wegen Familienmitglieder. Patricia, die Tochter der Familie, der ich gehörte, sagte immer, sie würde mich über alles lieben, dennoch musste ich gehen. Das konnte ich nicht verstehen. Es traf mich hart und ich versuchte das Beste daraus zu machen...

Es kamen viele Interessenten. Zum Glück sagten die Menschen immer „Nein, der nicht und der nicht“. Ich bin bei jedem, bei dem ich ein schlechtes Gefühl hatte weg gelaufen und ließ mich erst gar nicht halftern. Das mochte ich ja sowieso nicht gerne....

Im Juli 2001 kamen vier Frauen. Die eine kannte ich, dass war die Marklerin, die die Pferde vermittelte. Eine der drei anderen schien mir sehr nett zu sein. Ich war unsicher. Auf der einen Seite zog sie mich an, war super lieb auf der anderen Seite hatte ich Angst. Wie immer wurde meine Halbschwester Bajana al Badi angepriesen, edles Pferd, schauen Sie wie schön sie ist und auch eine gute Zuchtstute. Ich kam mir minderwertig vor, ich konnte keine Fohlen bekommen und war aber auch kein Hengst mehr. Diese Frau war wirklich sehr sehr nett und ich dachte, wenn ich wirklich weg muss, dann zu der, das ist die netteste, die bis jetzt hier war und es kann nicht bessere werden. Also ging ich zu ihr, schaute über ihre Schulter und durchsuchte den Tabakbeutel nach Essen. Sie freute sich, ging weg und ich hinter her.

Mein Besitzer wollte nicht glauben, dass ich das getan hatte, weil ich mich sonst immer vesteckte. So gab er mich her und ich wurde an diese Frau verkauft, die Susanne heißt und bei der ich immer noch lebe.

Ich sollte erst Ende September zu ihr, dass schien mir erst mal weit genug weg und nahm mir die Verlassensängste. Ich sagte mir immer: Hengste müssen einmal die Herde verlassen, Stuten nicht. Das gab mir Mut und Zuversicht meinen neuen Weg einzuschlagen und die Familie zu verlassen. Immerhin hatte ich diese Entscheidung getroffen, etwas was andere Pferde nicht tun können.

30.12.14 19:24, kommentieren